Sonntag, 13. Januar 2013

Indymedia vor dem aus?

Indymedia am Ende? Nach mehr als zehn Jahren scheint Indymedia die Segel streichen zu wollen und hat sich eine Deadline gesetzt. Nun stellt man sich die Frage, ist das Projekt grundsätzlich gescheitert oder war das einfach nach so langer Zeit absehbar? Immerhin sind nach den Maßstäben des Internets zehn Jahre eine wirklich lange Zeit. Doch es ist ja nicht nur das Netz, es sind die User. Die Indyuser, seinerzeit jung voller Idealismus und Tatendrang, wie das eben in dem Alter so ist. Jetzt sind wir an den Hebeln, endlich alt genug um mit den Zeug der Erwachsenen zu spielen. Endlich dürfen wir auch.
Zudem war es auch das Neue an dem Medium, einfach mal selbst berichten zu können, von der unwichtigen Demo bis zu Großereignissen, von denen man eigenes Bildmaterial veröffentlichen kann. Das war zunächst beeindruckend, standen solche Möglichkeiten früher nur den großen Medien zur Verfügung.
Doch wie das so ist, einerseits voll Neugier und Experimentalfreude, andererseits dumm wie Bohnenstroh neigte dieser Haufen schnell dazu, die alten Dummheiten nachzumachen und unhinterfragt jedes Vorurteil und  jede Dummheit der Alten Säcke zu übernehmen.
Man konnte es live besichtigen, wenn Debatten plötzlich ihre Neuauflage erlebte, von denen man meinte, sie hätten sich bereits vor Jahren aus Mangel an Substanz und Zuhörern von selbst erledigt. Auf Indy konnte man alle Verhaltensweisen von jungen oft fanatisierten Mattbirnen erleben, die stets recht hatten, die keine Zweifel kannten und trotz verkündeter Nichtdogmatik, ihre Dogmen umso erbitterter verteidigten. Als Veteran stand man daneben und  fragte sich was das soll, man hatte das doch schon vor Jahrzehnten erlebt und machte sich echt Sorgen, was die Lernfähigkeit des Menschen betrifft.
Nun es kam  wie es kommen mußte. Auch immer wieder erlebt. Die Zeit ist echt ein harter Mühlstein. Wieviele Probleme die unlösbar schienen, erledigten sich mit  der Zeit von selbst? Man muß nur lang genug abwarten und sich nicht einmal abmühen. Die Beteiligten werden älter, Schule oder Uni fertig und zwangsweise geht es in die Realwelt der Maloche. Spätestens da lässt sich die reale Welt nicht länger auf Antikap, Antipath, Sexismus und BinnenI reduzieren. Da erlebst Otto Normalverbraucher und was die Leut wirklich im Kopp haben. Mit diesen Dreck mußt dich dann auseinandersetzen. Das ist eben die Welt der Bildschlagzeile, der Vorurteile gegen Arbeitslose und "Sozialschmarotzer," die wollen ja gar nicht arbeiten, denen würde ich...., denen sollt man.....! Es ist die Welt der Schlechtbezahlten die ihren Frust an noch Schwächere ablassen, mit freundlicher Hilfe von Bild.
Das ist eben doch eine andere Welt als die linken Scheindebatten, deren Betreiber sich einbilden, es wären die Probleme der Menschheit. Man könnt meinen, spätestens wenn sie mit der Arbeitswelt konfrontiert  werden, verlieren die Leut das Interesse an Indymedia. Das die Arbeitswelt da kaum vorkommt ist ja auch kein Zufall. Bemerkenswert auch, das Hartz IV kaum Thema ist. Man sollt meinen, das etliche Indyuser davon betroffen sind. Offenabr will keiner den Frust noch auf Indy zeilenweise abhandeln.
Auf folgende Idee kamen bereits einige User im www, die Beteiligten wurden älter und die alten Storys auf Indymedia sind ihnen heute eher peinlich, wenn sie  überhaupt noch Interesse daran haben.
Das in den Kommentaren gestritten werden konnte, machte zunächst den Reiz aus. Hier wurden mal alle gezwungen, ihre Ansichten und Vorurteile auf ihre Wirkung zu testen, die seinerzeit in der Printwelt einfach unhinterfragbar auf dem Papier standen. Bekanntlich sind Diskussionen hier unerwünscht, man will kein Forum sein. Tia, dieses Bedürfnis lässt sich aber nicht so einfach unterdrücken. Mit Usern zu streiten, denen man in der Realwelt nichts zu sagen hätte, das war erstmal neu und interessant. Doch mit der Zeit erledigt sich das auch, irgendwann verliert jeder das Interesse, den falschen Leuten das Richtige zu erklären. Oder wenn man feststellt, dieser Unsinn ist doch dreißig Jahre alt, mindestens.
Konkret lässt sich sagen, viele mit denen man sich vor Jahren noch in der Commentspalte rumgestritten hat, sind jetzt älter und haben das Interesse an Indymedia und den linken Insiderstreit verloren, sie haben mittlerweile andere Sorgen. Hätte man es ihnen seinerzeit sagen sollen? Wozu? Solche Mahnungen gehen links rein, rechts raus.
Selbst bei Wiederholungsgefahr, also noch einmal. Spätestens wenn man die reale Welt seiner Mitmenschen nicht mehr ignorieren kann, erlebt man, in welcher irrealen Parallelwelt, bestehend aus Gender und Gesichterunkenntlichmachen, man sich vorher eingerichtet hatte. Und wer die Muffe bekommt, der Personalchef bei der Vorstellung könnte mich auf einen Demobild von Indy gesehen haben, keine Panik, der hat von Indymedia noch nie was gehört, geschweige sich mal auf diese Seite verirrt.
Zurück zum Portal. Das Konzept war ja ursprünglich gut gemeint. Ein Tool mit dem auch unerfahrene User leicht veröffentlichen können. Doch dieses Prinzip wird überall als Blog angeboten und oft kostenfrei. Die alte Erfahrung, bei kommerziellen Anbietern bist du freier als auf linken Portalen. Das lässt sich an dem Webspace beurteilen, bei dem Linke an die Decke gehen. Google Blog; ausgerechnet bei denen? Ja, genau bei denen. Da bin ich noch nie zensiert worden, auf Indy dagegen... hab schon nicht mehr gezählt.
"Finanzkräftige Anbieter à la Facebook, Twitter und Co. sind eher in der Lage, ein weitestgehend störungsfreies Funktionieren ihrer Seiten zu gewährleisten. Allerdings »zu deren Bedingungen«, wie Indymedia in einer Presseerklärung warnt: Im Falle, dass dem entsprechenden Seitenbetreiber, seinem Geldgeber oder einer finanzkräftigen Lobby Inhalte missfallen, sei es nicht ungewöhnlich, dass sich »über Nacht« die Nutzungsbedingungen ändern und unliebsame Seiten unwiderruflich entfernt werden."
Ok, auf Geocities verschwand eine Vielzahl von Seiten. Doch wem seine eigene Arbeit bedeutend genug erschien, hatte genug Zeit, die Daten zu sichern und anderweitig unterzubringen. Wer das nicht tat, dem war es nach einiger Zeit auch nicht mehr so wichtig, kommt ja häufig vor. Sicher ist man auf Kommerzportalen vom Betreiber abhängig und wenn sie kostenfrei sind, hast noch nicht einmal die üblichen Vertragsrechte, halt Leistung /Geld. Doch gerade die Vielzahl der Nutzer schaffen auch einen öffentlichen Druck. Wenn Google zensiert, ist das Thema in den Nachrichten. Wenn du auf Indy zensiert wirst, who cares?
Kleiner Einschub, selbst war ich schon nahe dran, meinen eigenen Beitrag für Indy einzustellen. Etwas zu oft angepisst worden und da verlierst irgendwann die Motivation, wenn man nur Diss und  Anschiß erntet. Anders ausgedrückt, Arsch hochbekommen, dabeigewesen, Fotos gemacht und einige Zeilen getippt. Wird nichtmal bezahlt und wie sieht dann der Dank aus? Dies nur als kleine persönliche Erfahrung.
Jedenfalls durfte ich die Erfahrung machen, auf Kommerzportalen hatte ich noch nier Probleme mit den Inhalten. Ok, Indy hat einen Vorteil, man muß nicht unbedingt auf s C achten, wenn man nicht vom eigenen Rechner postet, keiner kann nachweisen, das es dein Werk ist, vor allem keine Abmahnungsparasiten. Auf eigenen Webspace dagegen sollte man schon eher darauf achten.
Jedenfalls nicht  einigen hirngewaschenen Indymods, die sich zu oft als  Museumswächter von durchgeknallten Ideologien verstehen, die außerhalb des linken Paralluniversums niemanden etwas bedeuten.
Soviel zum Thema, ob man den Linken wirklich das Internet anvertrauen sollte.
Bezeichnend war der Warnruf mit dem vor einiger Zeit vor Facebook gewarnt wurde und das Linke von den Kommerzportalen besser die Finger lassen. Die Antwort bestand Teils aus Spott und Hohn von der Sorte wie, trefft euch nur noch im Wald und schmeißt euer Handy nach jeden Gebrauch weg.
Hier hatten wir den Fall vorliegen, das auch Linke nach anderen Netzwelten suchen, in denen sie das finden, was ihnen linke Portale nicht bieten können. Linke sollen sich nicht einbilden, ihren Leuten eine Rundumversorgung bieten zu können und ihnen daher verbieten zu können, sich auch woanders umzusehen. Und sei es nur auf Youtube rum zu kommentieren, um mal zu lesen, was andere so denken. Das www besteht ja nicht aus Usern, die außer der näxten Demo nichts anderes im Kopp haben.
Davon abgesehen, es gibt viele Angebote im www um zu veröffentlichen, wenn man meint es sollte ins Netz. Und oft  gibt es Material, das eben nicht in den engen Rahmen von Indy passt, das sich auf freien Webspace oder Blog auch recht gut posten lässt.
Brauchen wir Indymedia noch? Schwer zu sagen, wenn Bedarf besteht, dann wird es notfalls einen Ersatz geben. Das Ende von Indy wäre nicht der Weltuntergang, 99% der deutschsprachigen User würden es nicht einmal bemerken. Das Internet in seiner Struktur bietet Einzelpersonen oder kleinen Gruppen Möglichkeiten, die früher nur Organisationen und Parteien zur Verfügung standen. Daher hatten autoritäre Parteien schon immer Angst vor offenen Portalen und stehen Indy nach wie vor mißtrauisch gegenüber. Genauso wie jene undogmatische linke BinnenI, Transgender und Sexismusdogmatiker, die ihre Szene sauberhalten wollen. Die fürchten genauso offene Portale, in denen sie mit abweichenden Meinungen konfrontiert werden und auf einmal gezwungen werden ihre Argumente auf Debattentauglichkeit zu überprüfen.
Linke fühlen sich am ehsten auf Seiten wohl, die in Einwegkommunikation gestaltet sind und wenn s der Imageplege dient, noch ein vormoderiertes Forum in dem niemand einfach so seine Meinung sagt bevor sie nicht Parteikonform abgeklopft und ideologisch getestet und TÜVgeprüft wurde.
Es steht jedem frei, im Paralleluniversum der DKP- oder MLPD- Seiten zu surfen und den Rest des Internets zu ignorieren, eine derart eindimensionale Nutzung wäre auch echt eine Leistung. Schließlich ist es ja gerade Sinn der Sache, andere Welten und Ansichten kennenzulernen. Nur dann kann man die eigenen Ansichten auch überprüfen.
Oder so; wenn die Linke nicht mal imstande ist, es auf einen virtuellen Portal miteinander auszuhalten, wie hält sie es dann in der realen Welt miteinander aus? Na eben. So wie auf der LL Demo, wer da behauptet, nein das ist nicht der Kommunismus, bekommt was auf die Mütze.
PS: Würde mir Indymedia fehlen? Nicht lange, ich würd mich dran gewöhnen und mir andere Seiten suchen und zudem, was die Möglichkeit zu veröffentlichen angeht, da bin ich auf Google immer noch besser bedient. Ein kleines Medium das man selber hat, ist immer noch besser, als ein großes, das die anderen haben.

Abschließend noch ein humorvoller Beitrag:
verbesserungsvorschläge
es fehlt... 20.11.2012
indymedia braucht:

+ "gefällt mir" - buttons

+ "find ich scheisse" buttons

+ knöpfe womit ich demjenigen der mich verbal anpisst, stromschläge über den pc geben kann

+ ein button zum bestellen von was zu essen

+ ein cybersex button wenn mir einE Userin gefällt

+ ein button um die ip des gegenüber rauszufinden damit ich ihn zerbomben kann mit viren wenn er scheisse erzählt

+ ein bundestrojaner "ich ergebe mich" button

und ein

+ "direct action" button wie bei age of empires, wo du n signal abgibst von da wo du gerade bist und dann ganz viele leute kommen um dir zu helfen oder sich n moderator team abseilt um dich aus deinem loch rauszuholen. (zb wennde ausm knast schreiben kannst, aus der psychiatrie oder aus anderen zwangslagen).

:]

ach und ein

+ hausverbot in linken projekten - aufheb button

und ein

+ exfreundin aus der szene prügel button.

und ein

+ diejenigen die dich aus der szene geprügelt haben - halbtot/folter - button.

joa das dürfte erstmal reichen um die lebensqualität auf indymedia zu verbessern :]

hab ich was vergessen?


Siehe auch:
Immer tiefer indy Krise

PS: Was ich noch dazu sagen könnte. Indymedia und den Mods mit ihrer linken Zensur habe ich viel zu verdanken.  Genau dies brachte mich dazu, nach freien Webspace zu suchen, mich mit Webseitenbau zu befassen oder auch hier zu bloggen. Selbst wenn sich nicht so viele hierher verirren wie auf Indymedia, zumindest hast dann einen Platz im Web, wo dir niemand das Maul stopft.

PS: Indymedia macht vorerst weiter, offenbar ist die Krise vertagt.