Aus der Zeitung Kommunismus # 18 9/2020 vom kommunistischen Aufbau.
Wir sehen, Integrationsangebote für RevolutionärInnen gibt es in Deutschland mehr als genug. Wer in seiner Jugend etwa während des Abiturs und seines Studiums Teil von revolutionären und kommunistischen Gruppen ist, hat in Deutschland - selbst, wenn er massiv gegen die bürgerlichen Gesetze verstößt - damit keinesfalls einen Schritt getan, der eine Integration zurück in das bürgerliche Leben verhindert. Ganz im Gegenteil zeigt die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, wie perfekt diese (Re-)integration funktioniert. An dieser Stelle könnten wir dutzende, ja mit etwas Fleiß sicher hunderte Biografien von ehemaligen GenossInnen aufführen, welche vor einigen Jahrzehnten mit uns auf den Barrikaden standen und gegen diesen Staat gekämpft haben (einige von ihnen sogar bewaffnet). Heute sind sie selbst Teil des Staatsapparates, seiner Parteien, der Repressionsorgane oder leiten eigene Firmen oder sozialdemokratische Integrationsprojekte. Einige der wohl bekanntesten Beispiele dürften etwa Winfried Kretschmann, Joschka Fischer und Ulla Schmidt sein. Dabei beziehen wir uns gar nicht mal auf die bewussten VerräterInnen, die ganz offen in das Lager des Klassenfeindes übergelaufen sind. Diese gibt es natürlich immer und wird es leider auch in
Zukunft geben. Wir sprechen hier von all jenen, welche sich nach und nach aus der revolutionären Arbeit zurückziehen und ihre eigenen Grenzen immer
enger ziehen, anstatt sie einzureißen. Sie ergattern sich so Stück für Stück eine kleine eigene bürgerliche Existenz und einen akzeptierten Platz in diesem System.
Was ist an diesem Text so bemerkenswert? Ich gehöre zu denen, die bei so einen Schrieb nicht wissen, sollen sie an die Decke gehen oder verzweifeln? Etwa so, was lernt der Mensch aus der Geschichte? Das er nichts aus ihr lernt.
In dem Gesamttext geht es um Repression. Und in dem Ausschnitt um diejenigen, die sich vom System kaufen ließen. Also die altbekannten Kleinbürger und vor allem ihre Söhne und Töchter.
Die werden nicht genannt, doch man kennt ja die Kommunisten mit ihrem Proletenkult, mit dem sie mehr als einmal auf die Nase fielen.
An dieser Stelle könnten wir dutzende, ja mit etwas Fleiß sicher hunderte Biografien von ehemaligen GenossInnen aufführen, welche vor einigen Jahrzehnten mit uns auf den Barrikaden standen und gegen diesen Staat gekämpft haben….
Mit uns? Wer ist uns? Vor einigen Jahrzehnten? Und welche Barrikaden? Bitte was? Ich durfte mir diese Witzfiguren am Erstem Mai ansehen. Wo waren die als es an der Startbahn abging? Noch nicht auf der Welt. Wo waren sie als die DDR zusammenklappte? Lernten gerade Laufen? Ich weiß nicht von wem die reden. Etwa von einigen Altgedienten, die heute in Rente immer noch nicht aufgegeben haben und …… ne. Lass mer das besser.
Nochmal. Wo waren ihre Vorläufer als es an der Startbahn zur Sache ging? Ich weiß es. Ich war dabei. Sie prügelten sich mit den eigenen Leuten, die aktiv gegen Mauer und Polizei vorgingen.
Wo waren sie als die DDR sich in Wohlgefallen auflöste? Sie verkrochen sich in ihr Schneckenhaus und sagten, jetzt erst recht.
Als 68 die Leut auf die Straße gingen, waren das für sie Kleinbürger oder privilegierte Studenten denen sie mißtrauisch gegenüberstanden. Nicht etwa, wie hinterher dargestellt, weil die ja nicht zur Arbeiterklasse gehören und sich das leisten können, wie unterstellt wurde. Sondern weil Kommunisten allen mißtrauen, was sie nicht unter Kontrolle haben. Und diese Neuauflage ist auch nicht besser und dazugelernt haben sie ohnehin nichts.
…..gegen diesen Staat gekämpft haben (einige von ihnen sogar bewaffnet)…..
Dazu kann ich Auskunft geben, so wie jeder der seinerzeit Zeitung gelesen hat. Oder die eigenen Veröffentlichungen. Die Kommunisten hatten es einfach. Sie mußten nur auf Lenins Texte über Kinderkrankheiten des Kommunismus und das Abenteurertum zurückgreifen. Schon war die RAF eingeordnet. Als reaktionäre Kleinbürger, deren Aktionen nur dem Klassenfeind nützen. Konsequenterweise war es ein DKP-Lehrer, der Ulrike Meinhof an die Polizei verpfiff. Freilich war der sogenannte bewaffnete Kampf auch den undogmatischen Linken lästig. Denn die trafen die Hausdurchsuchungen, aber dann wurden sie wieder gebraucht, gegen die Repression, versteht sich.
Und was sagte die Arbeiterklasse? Alle zehn Minuten einen an die Wand stellen.
Die Kommunisten wie auch die ML Sekten glaubten an die Arbeiterklasse, als das revolutionäre Subjekt. Sie konnten nicht begreifen, daß auch die Arbeiterklasse (die es als Einheit ja gar nicht gibt und auch nicht gab) ihre kleinen Privilegien verteidigt und gar nicht dran denkt, mit den Linken oder Kommunisten für Luftschlösser zu kämpfen. Was sich beim Kampf gegen Atomkraft zeigte. Entweder glänzte die Arbeiterklasse durch Abwesenheit oder sie demonstrierte für den Erhalt ihres Arbeitsplatzes.
Aber sich vom Dogma des revolutionären Subjekts trennen? Damit würde die KP ja ihrer Existenzberechtigung infrage stellen. Nun, die haben sie auch so nicht mehr. Ist ja nicht mehr viel von übriggeblieben.
Und die Arbeiterklasse selbst, hatte ja an die hundertfünfzig Jahre Zeit den Kapitalismus zu zerdeppern, statt mehr Geld zu fordern. Hat sie bis heute nicht, warum? Finde den Fehler.
Wir sprechen hier von all jenen, welche sich nach und nach aus der revolutionären Arbeit zurückziehen und ihre eigenen Grenzen immer enger ziehen, anstatt sie einzureißen. Sie ergattern sich so Stück für Stück eine kleine eigene bürgerliche Existenz und einen akzeptierten Platz in diesem System.
Richtig, diese Weicheier. Echte Revolutionäre halten durch, sie altern nicht, sind ewig jung und kampfbereit. Das ist der harte Kern der Partei, die jederzeit bereit sind, in den Keller zu springen, ihr Sturmgewehr zu laden und den Klassenfeind abzuräumen. Sie warten nur auf den richtigen Zeitpunkt. Halt so wie die Gläubigen auf s Jüngste Gericht warten.
Man fragt sich, wo die gezüchtet werden? Normale Menschen können das ja nicht sein. Das müssen ja schon Übermenschen sein.
Eine eigene bürgerliche Existenz ergattern? Was für ein Hochverrat. Tia, von irgendwas mußt ja leben und die Kids wollen Modemäßig in der Schule auch mithalten können statt Fünfziger Jahre Cosplay zu veranstalten. Und überhaupt, wozu hast studiert? Die Frage stellten sich nicht wenige, als sie sahen, das genau diese Arbeiterklasse auf ihr persönliches Opfer schiß. Die Bezeichnung passt. Kein Arbeiter interessiert sich dafür, wenn ein Kleinbürger, oder was man als solchen bezeichnet, einen Teil seines Geldes spendet und sich dafür selbst feiert. Das kannst auch bei der Kirche haben, wenn auch ohne revolutionären Anspruch. Gab es zeitweilig bei den Grünen, als sie einen Teil ihrer Abgeordnetenbezüge abgaben. Hat sich schon lange erledigt. Hat sich herumgesprochen, im Büßergewand herumzulaufen riecht doch zu sehr nach Kirche. Da hätten sie auch gleich da bleiben können. Und beeindrucken lässt sich davon niemand. Jedenfalls niemand von denen, die man damit beeindrucken will.
Dabei beziehen wir uns gar nicht mal auf die bewussten VerräterInnen, die ganz offen in das Lager des Klassenfeindes übergelaufen sind.
Sind damit die gemeint, die sich die Frage stellten, willst ewig draußen stehen und kläffen oder hier und da was verändern? Dann mußt eben Kompromisse machen und den Sturm auf den Winterpalast vergessen. Daß viele ihrer Ex genossen dann herumschreien würden, ihr Verräter, ihr Schweine, das wußten sie vorher. Man kann eben nicht alles haben. Bleib interger und ende irgendwann als Witzfigur. Ach ja, wer ist eigentlich übergelaufen? Horst Mahler? Nein, das konnte er schlußendlich nicht mehr. (gemeiner Insiderwitz)
Die Geschichte der Arbeiterbewegung ist voll von Gescheiterten, von vorgeblichen Überläufern und von Schwächlingen. Je nach Sichtweise. Nebenher klingt es wie ein Witz, aber es ist real. Etliche Angehörige der STASI sind heute als Wähler oder Mitglieder bei der AfD gelandet. Nicht zu reden von den Kommunisten, die gleich Ortsgruppenweise zu den Nazis überliefen. Alles Verräter? Die sahen das anders. Die Partei hat sie verraten. Sie waren bereit zu kämpfen, aber die Partei befahl Stillhalten. Bis es zu spät war. Davon hört man bei den Kommunisten eher wenig. Ist eben kein Ruhmesblatt.