Dienstag, 7. Mai 2013

Parteibild

Wer die Bilder hat, hat die Macht. Seit Fotos stellvertretend für Ereignisse stehen und diese transportieren, stellt sich die Frage, wer bestimmt über das Erscheinungsbild. Oder anders ausgedrückt, wie verkaufe ich mich? Will ich mich so dargestellt sehen, wie auf dem Bild oder muß da etwas nachgeholfen werden?
Autoritäre Organisationen und Gruppen neigen stets dazu, ihr Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit kontrollieren zu wollen. Es soll kein unzensiertes Bild erscheinen das uns in ungünstiger Weise erscheinen lässt. Im Staatssozialismus war das noch einfach. Die hatten ihre Parteiphotographen und die Presse druckte ohnehin nur was von der Zensur nicht beanstandet wurde. In China und Nord Korea geht es heute noch genau so zu.
In der BRD war das nicht so einfach durchzusetzen und aktuell gibt es das Problem, das es sich ohnehin jeder Kontrolle entzieht, seit jeder mit Smartphoncam auch nebenher ablichten kann.
Autoritärparanoide Gruppen versuchen es daher im Vorfeld. Ein allgemeines Bildverbot soll die unkontrollierten Pics eindämmen und veröffentlicht wird nur, was solchen Gruppen genehm ist. Nach Kriterien, die sie eigenmächtig bestimmen. Aktuell lässt sich das Ergebniss besichtigen. Aus Hamburg stellt die SOL ihre Maidemo vor und auf den Fotos kommen sie schön militant und kämpferisch rüber. Genauso ist es beabsichtigt. Selbstverständlich überwachungsparanoides Facecover. Die Pics stellen keineswegs die Realität (was immer das sein soll, einige meinen ja, Realität ist eine Illussion, die aus Mangel an Alkohol entsteht) dar, sie sind eine künstlich geschaffene Parteirealität. Unabhängige Fotographen können das gleiche Ereignis selbst ohne Absicht etwas realistischer darstellen. Darauf wäre möglicherweise die Theaterauführung um einiges sichtbarer. Autoritäre Gruppen neigen bekanntlich dazu, ihren wilden und lauten Aufmarsch mit viel Fahnentuch für die Revolution zu halten und sich am eigenen Theaterdonner zu berauschen. Da möchte man sich nicht der Realität aussetzen und schon gar keine Fotos sehen, die zeigen, das es sich nur um einen kleinen Haufen handelt, den man nicht weiter beachten muß.
Doch nicht nur Kommis haben Fotosorgen. Die Antifa im Vorfeld der Frankfurtdemo genauso. Da hieß es, lasst eure Kameras zuhaus. Selbst wenn, ohne Smartphone geht man heute nicht auf die Straße und schon gar nicht zur Demo. Die Zeiten ändern sich eben. Und zum Smartphone gehört die integrierte Cam. Also was willst machen? Zwei Knipser lassen sich wegbeißen, aber keine Zweihundert. 
Eins Blockade der Schienen ist sicher nicht alltäglich, aber ohne Foto ist s nicht mal halb so viel wert. Das Bild bleibt haften, die Textmeldung ist eher abstrakt und schnell vergessen. Die FR hat dazu jedenfalls etliche Pics und die verpixelt nicht.
Den Kamerakrieg hat die Altlinke längst verloren. Und gegen wen? Schlicht und ergreifend, gegen die Kameraindustrie die das Volk mit Digicams beliefert und dabei ganz sicher nicht an Demos dachte, eher an die Mäuse. Das war halt ein Nebeneffekt.
Denoch lässt sich die Nachwirkung auf linken Portalen besichtigen. Wenn nicht einige wenige Idealisten auf Indymedia für eine halbwegs erträgliche Illustration sorgen würden, Es gäbe weitgehend nur langweilige Propagandagraphik. Die Mißachtung einer eigenständigen Illustration aus den Zeiten der Alternativpresse hat sich  heute auf linken Webspace gerettet. Doch die linken Seiten haben nicht das Privilleg. Mittlerweile kann sich jeder Webspace beschaffen und ist nicht darauf angewiesen linke Portale zu beliefern. Auch ein Aspekt, den sich linke Seiten mal überlegen sollten. Das Verhältniss kann sich umkehren. Nicht Einzelpersonen müssen froh sein, wenn sie etwa auf Indymedia veröffentlichen können. Indymedia darf froh sein, wenn es noch Deppen gibt, die sich für Indy (oder derartige Projekte) den Arsch aufreißen.

PS: Die Spitzenleistung revolutionärer Bildgestaltung ist hier auf Indy zu bewundern.