Donnerstag, 21. Juni 2012

Parteiauflösung

Textauszug aus der Ligaauflösung
Ein historisches Zeitdokument, man sieht es an der Sprache und den Denkgewohnheiten die nach vielen Jahren auch 80 noch nachwirkten und nicht über Nacht abgelegt werden konnten.


Angesichts der Tatsache, das unsere politischen Vorstellungen mit denen wir Anfang der 70iger antraten, sich in den emanzipatorischen Prozessen in der dritten Welt nicht realisiert haben, ist eine Überprüfung und Revidierung von Teilen dieser Vorstellungen dringend vonnöten.
Auch hat sich unsere Erwartung, von der wir anfangs ausgingen, das nämlich die Befreiungskämpfe der dritten Welt zu gesellschaftlichen Veränderungen in den industrialisierten Ländern führen werden, als unrealistisch erwiesen.
Wir müssen zur Kenntnis nehmen, daß das politische und organisatorische Konzept der marxistisch leninistischen Bewegung, wie sie Anfang der 70iger Jahre in der BRD und Westberlin initiiert wurde, gescheitert ist.
Die Liga war, auch wenn sie sich programmatisch nicht so verstanden hat, Bestandteil dieser Bewegung, sie hatte an ihren Erfolgen ebenso Anteil, wie heute an ihrem Niedergang. Zu den Erfolgen zählen sowohl die Anerkennung des bewaffneten Widerstandes (Volkskrieg) als legitimes Mittel der Völker gegen imperialistische Einmischung und das frühzeitige Erkennen der expansiven Politik der Sowjetunion. Zu den Erfolgen zählen wir auch zahlreiche entschiedene Maßnahmen gegen eine pro-imperialistische Politik in unserem Land auf den Grundlagen einer eindeutigen moralischen Integrität d.h. einer kompromisslosen Parteilichkeit für die indochinesischen Völker in ihrem Kampf gegen den US-Imperialismus. Zu den Mißerfolgen die schließlich auch zum Scheitern führten, rechnen wir eine im Kern undemokratische Organisationsstruktur, im Frühstadium eine beschränkte Orientierung auf "die Arbeiterklasse," später eine allgemeine Propagierung "der Weltlage," die es verhindert hat, die politischen Verhältnisse in unserem Land wahrzunehmen, letztlich auch in unserem Land faktisch Politik zu machen. Eine zentrale negative Bedeutung hatte hierbei die schematische und unkritische Übernahme aller Schwenks (und es
waren ihrer nicht Wenige) der Politik der chinesischen Führung, die uns als Liga den Ruf einer Agenturorganisation einbrachten. Ein Image von dem wir uns bis auf den heutigen Tag - trotz einer zumindest teilweise entgegengesetzter Praxis - nicht haben lösen können.
In der BRD u. W Berlin hat sich seit Mitte der 70iger eine demokratische Bewegung entfaltet, die zunehmend an politischen Einfluß gewinnt.

Die Liga ist von dieser Bewegung weitgehend isoliert. Diese Tatsache hängt u.E. damit zusammen, das wir zunächst diese Bewegung mit einem beachtlichen Maß an Hochmut als kompomißlerisch, reformistisch oder sozialdemokratisch abgetan haben. Später hielten wir globalpolitische Einschätzungen für wichtiger als Veränderungen in dem Bereich in dem wir vorgaben politisch zu arbeiten; unserer eigenen Gesellschaft.
Das Erbe einer Kaderorganisation, in der die Ausführung von Befehlen mehr zählt als die Entwicklung eines eigenen Standpunkts, hat sich als stärker erwiesen als der Wunsch der Mitglieder dieser Organisation nach einer tatsächlichen Demokratisierung.
Wir halten es für notwendig, das wir uns darüber Rechenschaft ablegen, das wir in der Vergangenheit ein hohes Maß an von Kadavergehorsam im negativsten Sinne praktiziert haben. Wir haben damit politische Verhaltensformen an den Tag gelegt, die wir in unserer Politik als reaktionär gebrandmarkt haben.