Dienstag, 5. März 2013

Demofotos

Gegen die Unterbelichtung der linken Bewegung

Umbruch meldet sich auf Indymedia und Indymedia Linksunten wieder zu Wort und es geht mal wieder um das leidige Thema Fotos von Demonstranten. Die Polizeiaktion gegen Fotographen der M31 Demo hat offensichtlich Folgen. Der Ton gegenüber Szenefotographen wie Umbruch, wird rauer. Man könnt meinen, die Kamera Arschloch Story kehrt wieder. Da fühlen sich einige in ihrer Arbeit bedroht. Wieder mal. Neue Argumente sind nicht zu erwarten und worum gehts da? Darum etwa.
"Eindrucksvolle Bilder können ein Teil der Mobilisierung für die nächste Blockade sein – oder eben dröge Transparentdokumentation für den eigenen Bauchnabel, wenn man auch dort verpixelt, wo es eigentlich nicht notwendig ist."
Sag ich doch seit Jahr und Tag. Alte Erfahrung, in der Massenpresse landen die Äktionfotos, linke Medien bringen langweiligen Bildmüll, wenn überhaupt.
"Wir handeln offensiv und möglichst sichtbar für die fotografierten Menschen, schiessen nicht aus der Hüfte und auch nicht mit dem Super-Tele. "
Na das ist ja äußerst nett von euch, nur sieht auf der Demo das niemand und es ist den Fotoparanoiden auch Wurst. War schon früher so, das man selbst auf bedenkliches Material verzichtet, das juckt eh nicht, andere fotografieren ohne Bedenken und das siehst dann in der Bild. Und was Super Tele angeht, genau damit schossen die Profis die Äktionbilder seinerzeit auf der Gipfeldemo und so konnt man sie online und auf Papier bewundern.
"Im übrigen sei erwähnt, das es bei den Durchsuchungen besagter Fotografen vermutlich nicht nur um die „offiziell“ gesuchten Fotos ging, sondern – zumindest auch mit darum, Demonstrant_innen ebenso wie Fotograf_innen zu verunsichern und letztendlich zu entsolidarisieren. Diesen Spaß sollten wir ihnen nicht gönnen."
Na schau an, um auf diese Idee zu kommen muß man nicht studiert haben, dazu reicht gesunder Menschanverstand. Ist ja auch nicht der erste Fall.

Aus der Kommentarsammlung
"Was könnte demnach ein netter Effekt für die Polizei sein, wenn sie komplette Workstations von Fotografen beschlagnahmt? Möglicherweise, dass die entsprechenden Fotografen an der Ausübung ihrer Arbeit behindert werden bzw diese für die Fotografen unmöglich wird. Dazu kommt noch das sich so mancher Fotograf überlegt ob ihm die Fotos einer Kundgebung ein entsprechendes Risiko wert sind."
Nett gedacht, nur etwas irreal. In der Tat, da wird sich mancher Fotograph überlegen, ob lausige harmlose Bilder das Risiko wert sind, wenn er diese ohnehin nicht verkaufen kann. Die bedenklichen Äktschenbilder dagegen sind es schon wert (im Wortsinn), denn das Honorar ersetzt notfalls die beschlagnahmte oder defekte Kamera. Die Profis ließen sich durch Szenestress noch nie abschrecken, notfalls fotografieren sie hinter der Polizeilinie und verschwinden beizeiten, bevor sie mit irgendwem Stress bekommen. Es traff bislang nur die "eigenen" Leute.

"Willkommen in der technischen Neuzeit
jedes neuere Handy schafft bereits problemlos Videoaufnahmen mit denen eine Identifizierung von Personen auf Einzelbildern möglich ist. Mit etwas Übung kann ein Mensch damit so filmen das es aussieht als ob der telefoniert oder eine SMS verschickt. Kompaktkameras im etwas teureren Segment schaffen bereits 50fach optischen Zoom (1200er Objektiv) - womit man aus relativ großer Entfernung problem Fotos machen kann. Und dies sind nur die Geräte die für den Normalverbraucher zu haben sind. Geräte mit denen es selbst Nazis nicht schwer fällt eine Demo unauffällig abzufotografieren. Das bereits gute Gesichtserkennungssoftware für den Normalverbraucher zu haben ist muss wohl nicht im Detail erklärt werden - über welche technischen Möglichkeiten die Polizei verfügen dürfte kann man sich wohl denken
Das Ziel der Durchsuchungen dürften nicht irgendwelche Fotos gewesen sein - sondern einfach nur Unsicherheit und Paranoia zu verbreiten. Womit die Polizei anscheinend auch vollen Erfolg gehabt hat."

Dieser Kommentar sagt genau aus, das es Zeit wird, die Bilddebatte den aktuellen Verhältnissen anzupassen. Und folgender Comment ist ebenfalls bemerkenswert.
"......Kraftvolle Demonstrationen, Emotionen, Menschen die für etwas einstehen, Gesicht zeigen, Proteste, die etwas bewegen. Was wollt Ihr, was sind Eure Ziele, was wollt Ihr Proteste erreichen und wen? Erst wenn es darüber Klarheit gibt, können wir Fotografen auch unterstützen. Ihr wollt Fahnen ohne Menschen, verpixelte Gesichter, Geisterbilder? Emotionslosigkeit? Nein, das ist nicht mein Verständnis von guten Demoaufnahmen. Vielleicht reichen sie Euch, das mag sein, es mobilisiert aber nicht. Vielleicht aber ist Mobilisierung auch nicht das Ziel und Ihr wollt unter Euch bleiben?"
Na auf die Idee bin ich schon vor Jahren gekommen und es ist ja auch offensichtlich. Ein Vergleich zwischen Fotos in Szeneveröffentlichungen und der Mainstreampresse zeigt mehr als deutlich, wo die dynamischen Bilder landen. Oder die aussagekräftigen Fotos und ich rede noch nicht mal von bedenklichen Material. So wie etliche linke Fotographen abgelichtet haben, hätten sie es auch lassen können. Dafür lohnt der Stress nicht.
".......Denkt darüber nach, was Ihr erreichen wollt und welche Aufgabe ein öffentlicher Protest haben soll. Ironischerweise haben die "Bewegungsfotograf_innen" die Freiheit, sich von dem ganzen Spuk fern zu halten, wenn sie neben den Bullen und Nazis auch noch von den eigenen Leuten bedroht werden. Diejenigen, die sich nicht fern halten können und auf die Ihr immer zählen könnt, sind jene die mit der Fotografie ihr Geld verdienen. Aber genau die wollt Ihr auch nicht. Ironie."

Das ist nicht ganz richtig, sogar die Profis haben die Freiheit, sich fernzuhalten. Jedenfalls dann, wenn das Risiko für die Ausrüstung zu hoch wird und die Versicherung auch nicht mehr für aufkommt. Dann wird die Aktion eben nicht mehr wahrgenommen. Keine Bilder, keine Zeilen. Es gab schon Zeiten, da wurden Demos einfach nicht mehr beachtet. Die erschienen nur noch in Szeneblättern, die eh von niemand außerhalb des Umfelds groß beachtet werden. Erinnern kann man an die Sonntagsdemos an der Startbahn, die irgendwann keinen Marktwert mehr hatten und die nicht mal der TAZ noch ein paar Zeilen wert waren. Von Fotos nicht erst zu reden. Nicht nur fotographisch gesehen ist die Bewegung der späten 80iger unterbelichtet. Sie ist verhältnismäßig schlecht dokumentiert und aufgrund fehlender Öffentlichkeit blieb sie auch unter sich und war allenfalls für junge Nachzügler interessant, die auch mal das probieren wollten, was sie vorher nur in der Glotze gesehen hatten. Es geht nie um lausige Bilder, es geht darum ob eine Aktion überhaupt zur Kenntniss genommen wird. Ob sie wahrgenommen wird. Hab ich schon mehrfach gehört und konnt es auch selbst bestätigen. Mir liefen schon Demos über den Weg, nach zehn Minuten hat ich sie vergessen und wußte nicht mal, worum es ging. Wie wirkt das dann erst auf die Normalbevölkerung? Oder so, selbst nach der M31 Demo konnt man in der Kneipe sein Bier trinken und bekam man was von der Demo zu hören? War kein Thema, interessierte auch niemand. Wer mitten drin ist, meint das was gerade gelaufen ist, müßte doch allgemein von Interesse sein, wenigstens, wenn nicht das Ereignis des Tages. Da wird man schon mal etwas betriebsblind und übersieht, für die Mehrheit ist das allenfalls ein Medienereignis und zudem eines, das sie fix wieder vergessen haben. Und ohne Medien hat selbst eine Demo wie M31 für 95 % der Frankfurter schlicht und ergreifend nicht stattgefunden bzw. genausogut in einer fernen Galaxis oder in einer Parallelwelt.
Doch es geht auch noch um konkrete Bedrohung, worauf im folgenden Comment aufmerksam gemacht wird.
"Das Gejammer "linker Medienmacher" nervt echt. Einige haben sich dafür entschieden, mit Bildern von linken Aktionen auch ihr Geld zu verdienen, ihre Bilder landen dann bei den bürgerlichen Medien. Für diese Berufswahl das Verständnis von Leuten einzufordern, deren Widerstand nicht nur aus Finger am Auslöser bzw. an der Tastatur besteht, ist schon anmassend. Es geht IMMER um viele Jahre Knast für jene, die einem Bullen eine verpassen, Barris bauen oder Scheiben einschlagen."
Genau, es geht um Fotos die dann entstehen, wenn es knallt. Und wenn in dem Chaos niemand auf Fotographen achtet. Alte Erfahrung, genau dann entstanden zumeist die Bilder, die unerwünschte Beweise lieferten. Nebenbei bemerkt, diese Fotos sind es dann, die auch von linken Medien benutzt werden. Da wird auch nicht die Frage gestellt, das es dieses Material gar nicht geben dürfte. Das Argument hatten wir auch schon, wie gesagt, die Argumentation dreht sich im Kreis.
Im Notfall hilft eben, sich die richtigen Demos für Fotos auszusuchen und von Problemdemos die Kamera zu lassen und sie sich selbst zu überlassen. Überlass Fotostress notfalls denen, die damit Geld verdienen. Why? Es lohnt kaum sich für lausige Bilder zu prügeln.
Was an dieser Debatte falsch läuft, es geht nicht einfach um Beweisfotos. Es geht um die strafrechtliche Verfolgung illegaler Aktionen, die umso leichter geht, wenn es außer der Szene keinen interessiert. Es gab Zeiten, da standen mehr dahinter und in Gerichtsprozessen ging es am wenigsten um Fotos. Es ging um das Recht auf Widerstand, das die Betroffenen auch im Gericht einforderten. 

Der Konflikt ist uralt, schon in den 80igern meinten "Szenenfotografen" direkt in aktionistische Blöcke rein fotografieren zu müssen, nur eine klare "Ansage" und die Androhung von körperlicher Gewalt hat diese Verhalten beendet.  
Das ist nicht ganz richtig. Einigen wurde der Stress zuviel und die ließen es, sollten sie sich etwa mit den "eigenen" Leuten deswegen prügeln? Die Profis waren damit nicht zu beeindrucken. Notfalls fotografierten sie hinter der Polizeilinie und man kam an die nicht ran. In der Presse erschienen nach wie vor die entsprechenden Pics. Wenn sie dann doch wegblieben, dann lag es am fehlenden Marktwert der Demos. Gab so ne Phase, da interessierten sich die Medien nicht für Demopics. War langweilig geworden und sogar die Sonntagsdemos an der Startbahn hatten Null Marktwert. Sogar die TAZ schrieb nichts mehr. Internet gab es nicht und so fanden diese Aktionen für die Mehrheit (auch der Linken, die nicht dabei waren) praktisch nicht statt. Wer las schon die grauen Szeneblätter und Photos gab es eh selten da drin, wenn dann waren sie aus den Mainstreammedien geklaut.
 
Was dann doch verwundert, aus dem Ausland bekommt man Bildmaterial auch auf linken Portalen zu sehen, da wird nichts verpixelt und man fragt sich, haben die keine Bedenken? Hätten die nicht mehr Grund die Bilder unkenntlich zu machen als hier?
PS: Etwas Geduld, die Technik wirds schon richten. Haben wir erst Kameras die man wie eine Uhr tragen kann oder eine Kamera auf der Sonnenbrille in unauffälliger Größe, dann ist s vorbei mit der Bildparanoia. Oder wollt ihr vor der Demo Personenkontrollen aufbauen? Rein kommt nur noch, wer alle elektronischen Geräte abgibt?


Siehe: 
Demofotos 
Demofotos 
Demofotos 
Demofotos

TAZ 
Selbstbilder linken Widerstands
Nachtrag:

Zur Demo in Hamburg

Für diesen "Bericht" plus Propagandapics muß man echt dankbar sein. Indymedia, Indymedia Linksunten Hier haben wir ein Fallbeispiel, wie linke Propaganda aussieht, wenn dogmatische Veranstalter Bild und Text in die Hand nehmen. Dies würde dann die einzige verbreitets Wahrheit sein, wenn unabhängige Beobachter nicht ablichten können und es nur die Pics der Parteifotographen gibt. Genau so sieht dann auch die dokumentierte Zeitgeschichte in autoritären Staaten aus, aktuell wäre Nord Korea als finsteres Beispiel zu nennen. Jedenfalls haben diese Genossen ein Bild abgeliefert, man könnt meinen es stammt aus den besten Jahren der KPD/AO von der ihr kürzlich verstorbener Vorsitzender Semler sagte, wenn die Arbeiter nicht ins Theater gehen, muß das Theater zu ihnen kommen. Kommunistische Demo als Theateraufführung, so lief das bei der KPD/AO oder der KPD/ML und so kann man es jedes Jahr bei der LL Demo in Berlin bewundern.


Wir wollen doch nicht, das Fanny Ärger bekommt.